Version L

PERSONEN
Kaiser


Imperialer Adler EINLEITUNG
HERKUNFT
EROBERUNGEN I
EROBERUNGEN II
KIRCHE & RECHT
FINANZEN
TOD
BEWERTUNG
ZITATE

zurück zu den
Kaisern im Osten

zurück zum
Kaiserindex

zurück zur
Übersicht Personen

zurück zum Index

Flavius Petrus Sabbatius
Iustinianus (I.)

Herrschaft I (Die Wiedereroberung Nordafrikas)

Nachdem der Machtwechsel so reibungslos über die Bühne gegangen war, konnte sich Iustinianus voll und ganz auf die grossen Ziel seiner Regierung konzentrieren. Zum einen ging es ihm um die Wiedereroberung der verlorengegangenen Gebiete im Westen, zum anderen um eine Neukodifizierung des Rechts und schliesslich all dies unter dem Gesichtspunkt einer einheitlichen christlichen Glaubensformel.

Wie kaum ein Kaiser vor ihm produzierte er Erlasse am laufenden Band. Damit sollten seine Überzeugungen bis in den letzten Winkel des Oströmischen Reiches dringen. Er verkaufte dies als Gottesgnadentum und vorbestimmtes göttliches Heil. Als das Imperium noch über die gesamte Mittelmeerwelt herrschte, war die Funktion des Kaisers als Weltherrscher klar definiert. Doch nun stand Iustinianus vor der Wahl den Rest abzusichern oder die alte Macht wiederherzustellen. Seine Ratgeber mahnten jedenfalls zur Vorsicht. Sie sahen die militärischen und wirtschaftlichen Kapazitäten als nicht ausreichend für den kühnen Plan. Immerhin hatte man die Grenzen ja nicht freiwillig zurückgenommen. Doch bevor der Kaiser sich weiter darum kümmern konnte, musste er plötzlich seine Stellung in Konstantinopel in Frage gestellt sehen.

532 liess der Stadtpräfekt wie schon so oft die gewalttätigen Kundgebungen der verfeindeten Zirkusparteien der Blauen und Grünen mit Hilfe von Soldaten auflösen. Daraufhin verbündeten sich die beiden Gruppen und verursachten einen Aufstand, der die ganze Stadt erfasste und dem sich sogar unzufriedene Mitglieder der Oberschicht anschlossen. In vielen Bezirken wurde Feuer gelegt und mit "Nika"-Rufen (grch. nika = Sieg) zogen die Aufständischen durch die Strassen. Man forderte vom Kaiser die Absetzung des Stadtpräfekten sowie des Prätorianerpräfekten Johannes von Kappadokien und des Quaestors Tribonianus.

Die brennende Stadt vor Augen gab Iustinianus nach, doch der Aufruhr war damit nicht beendet. Sie sahen nun das Handeln des Kaisers als Schwäche und riefen mit Hypatius einen Neffen des Anastasius zum Gegenkaiser aus. Die Gardetruppen schienen sich passiv verhalten zu haben und Iustinianus dachte daran sein Heil in der Flucht zu suchen. Als jedoch die beiden magistri militum (Heermeister) von Illyricum - Mundus - und Oriens - Belisar - zufällig mit einigen sie begleitenden Einheiten in der Hauptstadt eintrafen, konnte Theodora ihren Mann umstimmen. Mit den plötzlich zur Verfügung stehenden Truppen wurde er Aufstand brutal niedergeschlagen, Hypatius und sein Bruder hingerichtet und namhafte Senatoren in die Verbannung geschickt. Deren Vermögen fiel natürlich der Staatskasse anheim. Nachdem alle Rädelsführer unschädlich gemacht worden waren, wagte es niemand mehr einen Gegenkaiser zu erheben und die Entlassenen fanden sich wieder in ihren Ämtern wieder.

Kaum waren die Unruhen beendet, ging Iustinianus auch politisch in die Offensive. Der Kronrat hatte die Zerschlagung des Vandalenreiches zu diskutieren. Zunächst behielt der umsichtige Prätorianerpräfekt Johannes von Kappadokien mit seiner Meinung die Oberhand, die vorhandenen logistischen Möglichkeiten würden für ein solches Vorhaben nicht ausreichen. Doch wohl auf Drängen kirchlicher Kreise stimmte der Kronrat dem grossen Feldzug zu, der nicht nur das Herrschaftsgebiet ausdehnen, sondern auch die dort lebende Bevölkerung wieder zum rechten Glauben zurückführen sollte.

Da nun die Entscheidung gefallen war, standen die militärischen Führer im kaiserlichen Hauptquartier vor dem Problem genügend Truppen für das Vorhaben zusammenzuziehen. Von der Anzahl her war es kein Problem, doch mussten die Grenzen am Balkan und im Osten weiter gehalten werden. Da eine offensive Grenzpolitik, wie sie zur Hohen Kaiserzeit betrieben worden war, am Balkan keine Früchte gebracht hatte, wurden in den letzten Jahrzehnten enorme Anstrengen unternommen das Gebiet mit Festungswerken zu überziehen. Durch diese von der Donau bis vor die Tore der Hauptstadt reichende Tiefenverteidigung konnten zwar Einbrüche auf oströmisches Gebiet nicht verhindert werden, doch zumindest erfolgte eine Abschwächung derselben und es war den Feinden nicht möglich sich einfach auf Reichsgebiet niederzulassen.

An der Ostgrenze zu den Persern lag der Fall etwas anders. Hier stand Konstantinopel ein mehr oder minder gleichwertiger Gegner gegenüber. Iustinianus hatte von seinem Vorgänger einen bislang unentschiedenen langsam dahinköchelnden Grenzkrieg geerbt. Nachdem der Sassanidenherrscher Kahvades verstorben war, folgte ihm 531 sein Sohn Chosroes auf den Thron. Da dessen Herrschaft aber weit davon entfernt war, abgesichert zu sein, nahm er das Friedensangebot von Iustinianus wohl mit Erleichterung an. Es sicherte beiden Reichen den Status quo vor Kriegsausbruch und Chosroes erhielt zudem 11.000 Pfund Gold, die er für seine Machterhaltung dringend brauchen konnte.

Für den Krieg gegen die Vandalen benötigte Iustinianus einen Anlass. Dieser bot sich an, als der König Hilderich nach einer Niederlage gegen maurische Stämme von der vanadalischen Heeresversammlung abgesetzt wurde. Als Nachfolger wurde ein Verwandter namens Gelimer gewählt und dieser liess den alten König samt seiner Familie einkerkern. Da sich Hilderich diplomatisch eng an Konstantinopel angelehnt hatte, forderte Iustinianus nun die Wiedereinsetzung des Königs.

Während die Depeschen zwischen den Ländern hin und her gingen, unternahm Iustinianus enorme Anstrengungen sein Vorhaben umzusetzen. Dabei war der Friede mit den Persern nur ein Punkt gewesen. Nach Gelimers Machtübernahme hatten sich Sardinien und die Cyrenaica vom Vandalenreich abgespalten. Unter diesen Voraussetzungen konnten auch die Offiziere vom Erfolg des Unternehmens überzeugt werden. Das Kommando wurde Belisar, dem fähigsten Feldherrn Ostroms, übertragen.

Der Feldzug entwickelte sich problemloser als selbst von den grössten Optimisten erwartet. In weniger als einem Jahr wurde das Vandalenreich erobert und das Gebiet unter oströmischer Herrschaft neu organisiert. Der Sieg Belisars bedeutete das Ende des vandalischen, auf ihre mächtige Flotte gestützten, Schreckgespenstes nicht nur für Konstantinopel, sondern für den gesamten Mittelmeerraum.

Nach den grossen Erfolgen im Westen gegen die Vandalen wurden die Perser misstrauisch und brachen den vereinbarten Frieden. Doch trotz der verringerten Zahl römischer Truppen liefen sich ihre Offensiven fest und Chosroes stimmte zähneknirschend einem fünfjährigen Waffenstillstand zu. Diesmal hatte er 5000 Pfund Gold zu entrichten. Der Waffenstillstand galt allerdings nur für die Ostgrenze. Die Perser wollten unbedingt Zugang zum Schwarzen Meer, sodass im umstrittenen Lazistan weitergefochten wurde. Im Gegenzug eroberte Ostrom 551 die wichtige Festung Petra. Der Waffenstillstand wurde erneuert, aber wiederum blieb Lazistan ausgeschlossen. Erst nach erneuten Scharmützeln kam die Gegend in den Vertrag. Gegen eine jährliche Zahlung von 30.000 Goldstücken räumte Choroes schliesslich 561 die Region und sicherte Flankenschutz gegen barbarische Einfälle aus dem Norden zu. Diese Bedrohung betraf beide Reiche gleichermassen.

559 kam es zu einem gemeinsamen Einfall von Bulgaren, Hunnen und Slawen, den sie bis nach Griechenland an die Thermopylen führten. Selbst die langen Mauern von Konstantinopel wurden für kurze Zeit durchbrochen. Nur durch die Zahlung von Tributen konnte ein Abzug erreicht werden und auch zwei Jahre später musste Iustinianus die Forderung nach Land durch die Awaren mit jährlichen Zahlungen kompensieren.

Kaiser Iustinianus auf einem Kirchenmosaik aus Ravenna


Quellen: M.Clauss, "Die Römischen Kaiser", O.Veh, "Lexikon der römischen Kaiser", "Der kleine Pauly"

 

Sie wollen Fragen stellen, Anregungen liefern oder sich beschweren?
Dann klicken Sie auf meine Kontaktseite!

(PL)