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WIRTSCHAFT
Wert des römischen Geldes


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Übersicht

Eine direkte Umrechnung antiker Löhne & Preise in heutiges Geld ist praktisch unmöglich; zu verschieden waren die Lebensumstände und Einkommensverhältnisse im Vergleich zur modernen Welt.

Aus diesem Grund gibt es auch verschiedene Ansätze bei der Bestimmung des Wertes. Man kann auf Goldbasis Vergleiche anstellen (was aber wegen der verfügbaren Goldmenge schwierig zu bewerten ist), detto auf Silberbasis (mit ähnlichen Problemen) oder auch Warenkörbe oder Lohnvergleiche (kaum zu eruieren) verwenden. Bei jeder dieser Berechnungsmethoden kommt man auf andere Werte. Im folgenden soll dies mit den entsprechenden Erläuterungen verdeutlicht werden:

Goldpreis

Als Berechnungsbasis möge man einen Goldpreis von gut 600 EUR (Anfang 2008) die Feinunze (=31,1,035 g) annehmen (Auf die Gold-Dollar-Problematik gehe ich hier nicht ein. Nur soviel: mittlerweile dürfte jedem klar sein, dass der Dollar nichts wert ist. Schätzungen zufolge liegt der wahre Goldpreis jenseits der 10.000 Dollarmarke, d.h. das Euro-Dollar-Verhältnis müsste realwirtschaftlich bei zumindest 30 zu 1 liegen. Stichwort: permanente Vermehrung der Geldmenge durch US-Notenbank; die Zahlen darüber sind übrigens als Staatsgeheimnis eingestuft). Nimmt man jetzt den Aureus des Augustus von 7,8 g würde sich dafür ein Wert von etwa 150 EUR ergeben. Da auf einen Aureus 100 Sesterzen kamen, würde der Sesterz folglich einen Wert von 1,50 EUR haben.

Silberpreis

Als Berechnungsbasis möge ein Silberpreis von gut 11,00 EUR (Anfang 2008) die Feinunze dienen (Die Schwankungsbreite bei Silber ist deutlich höher als bei Gold und trotz der letzten Hausse ist Silber weiterhin unterbewertet. Vgl. Kommentar beim Gold). Nimmt man jetzt den Denar mit 3,4 g würde sich dafür ein Wert von ungefähr 1,20 EUR ergeben. Da auf einen Denar 4 Sesterzen kamen, würde der Sesterz folglich einen Wert von 0,30 EUR haben.

Das derzeitige Verhältnis von Gold zu Silber beträgt irrsinnige 1 zu 55 (Anfang 2008; Antike: ca. 1 zu 10, spätestens nach der Entdeckung Amerikas bis zum 1.Weltkrieg: ca. 1 zu 13 1/3. Vergleicht man die Fördermengen der letzten Jahre und rechnet auch die jeweilige Recyclingrate von ca. 25 % ein, so würde sich ein Verhältnis von 1 zu 7,6 ergeben. Zusammen mit dem bereits vorhandenen Metallmengen würde man wieder in den Kategorien von vor dem 1.Weltkrieg landen.

Warenkorb (Lebenshaltungskosten)

Für den Unterhalt in der Antike waren vor allem Brot und Öl massgeblich. Mit zwei Sesterzen pro Tag  konnte eine Person ihren Bedarf an Nahrungsmitteln mehr als ausreichend decken (Der für die Kaiserzeit typische Denar als Tageslohn reicht somit für eine Kleinfamilie). Das wären dann etwa 50 bis 60 Sesterzen pro Monat, denn es gab auch Tage an denen weniger oder gar nicht gearbeitet wurde. Wenn man davon ausgeht, dass ein Laib Brot zu 1 kg gerade einmal für einen Tag reicht und der Laib 2,00 EUR kostet ergibt sich für das Monat 60 EUR. Rechnen wir für minimale Beilagen (Öl, Gemüse, etc.) noch 40 EUR im Monat dazu (was recht willkürlich ist), dann kommen wir auf 100 EUR. Da der Lohn für eine Kleinfamilie mit ca. 4 Personen reichte, ist das mit 4 zu multiplizieren: Folglich würden 400 Sesterzen gut 400 EUR entsprechen; der Sesterz also 1 EUR. Nicht beachtet wurde in dieser Rechnung, dass von staatlicher Seite niedrige Brot- und Ölpreise gewünscht waren, also die 2 EUR vielleicht halbiert werden sollten (Immerhin kann ich mich auch noch in Österreich auf das preisgeregelte Einheitsbrot der paritätischen Preiskommission erinnern). Dann käme bei der Rechnung 400 Sesterzen = 280 EUR ein Betrag von 1,40 heraus und wir wären interessanterweise in der Kategorie des Goldwertes.

Lohnniveau

Ein Arbeiter verdiente im Rom des Tiberius etwa einen Denar am Tag. In einem Monat etwa 25 bis 30 Denare. Nehmen wir einen ungelernten Arbeiter mit niedrigen 800 EUR Lohn (über Steuern wollen wir gleich gar nicht sprechen.) würde dieser Betrag gleich 30 bis 40 Denaren entsprechen, der Sesterz folglich 5 bis 6,67 EUR wert sein. Ein im Vergleich zu den anderen Berechnungen hoher Wert. Doch ist zu berücksichtigen, dass das Lohnniveau in der damaligen (Agrar)wirtschaft deutlich niedriger (mit einem Drittel oder Viertel?) anzusetzen ist.

Fazit

Alle Berechnungsgrundlagen haben ihre Vor- und Nachteile. Preise und Löhne können infolge der unterschiedlichen Lebensgewohnheiten und der wenigen Überlieferungen nur bedingt als Berechnungsgrundlage dienen. Immerhin gab es je nach Ernte trotz staatlichen Einwirkens oft exorbitante Preisschwankungen. Im Laufe der Zeit war das Geld zudem einer allgemeinen Inflation unterworfen, der ebenfalls Rechnung getragen werden muss. Die Geldentwertung der Spätantike bietet schliesslich für Berechnungen kaum mehr eine Basis. Aus den unterschiedlichen Literaturquellen, die mir zur Verfügung standen, habe ich die folgenden Werte entnommen, die auch Platz für die Geldentwertung bieten (Basis 01.01.2006):

Unter dem Konsulat des C.Cassius Longinus und des C.Sextius Calvinus (124 v.Chr.)

Aureus mit 17,06 EUR
Denar mit 0,68 EUR
Sesterz mit 0,171 EUR
As mit 0,043 EUR

Unter Kaiser Claudius (um 50 n.Chr.)

Aureus mit 8,88 EUR
Denar mit 0,355 EUR
Sesterz mit 0,089 EUR
As mit 0,0222 EUR

Unter Kaiser Trajan (um 100 n.Chr.)

Aureus mit 6,24 EUR
Denar mit 0,25 EUR
Sesterz mit 0,062 EUR
As mit 0,0156 EUR

Im Preisedikt des Kaisers Diocletian (um 300 n.Chr.)

Denar mit 0,0773 EUR (offizieller - unrealistischer - Kurs von 50.000 Denaren pro Pfund Gold (= 327,45 g))

Marktwert unter Kaiser Maxentius (307 n.Chr.)

Denar mit 0,0386 EUR (= 100.000 Denare pro Pfund Gold (= 327,45 g))

Marktwert unter Kaiser Konstantin (324 n.Chr.)

(alter) Denar mit 0,0126 EUR (= 300.000 Denare pro Pfund Gold (= 327,45 g))

Republikanische Goldmünzen waren selten und wurden erst gegen Ende der Republik genormt

Der Aureus der Spätantike war in seinem Gewicht deutlich reduziert

Der Solidus war die letzte römische Goldmünze von noch mehr vermindertem Gewicht

Die kaiserzeitlichen Denare waren noch aus gutem Silber und sicher bei jedem Geschäft gerne gesehen

Spätantike Münzen hatten oft nur den Hauch eines Silberüberzuges oder bestanden gleich nur noch aus unedlem Metall, das weissgesiedet wurde


Quellen: J.-C.Fredouille "Lexikon der römischen Welt", H.Pleticha, O.Schönberger "Die Römer", H.-j:Drexhage "Preise, Miten/Pachten, Kosten und Löhne im römischen Ägypten", S.Lauffer "Diokletians Preisedikt", Fischer Weltalmanach 2006ff

 

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(PL)